Lotusblüten e.V.

Kettenreaktion

Ui malt gern – und gut

Das ist Ui. Ui ist 13 Jahre alt und malt gern. Und Ui ist autistisch. Seit sechs Jahren wird sie am Vientiane Autism Center (VAC) betreut und hat gute Fortschritte gemacht. In diesem Jahr besucht sie in einem inklusiven Schulansatz die 5. Klasse der Grundschule. Obwohl sie nicht sprechen kann, hat sie das Zeug für die Sekundarschule. Ui ist ein eher zurückhaltendes Mädchen. In den letzten Ferien war sie dabei, als eine Konditorei und Eisdiele auch Kindern des VAC die Möglichkeit einräumte, an der Ferienbetreuung teilzunehmen. Ui hat Eis gemacht und Kuchen gebacken.

Alles in Ordnung also. Und doch steht Uis Betreuung auf der Kippe. Der Grund hat nichts mit Ui und ihrem Verhalten zu tun. Es geht ums Geld.

Uis Vater ist selten zu Hause. Er arbeitet als Fachmann für Straßen- und Brückenbau in der Firma eines Verwandten und ist meist auf den Baustellen des weitläufigen Landes unterwegs. Kein schlechter Job und auch nicht schlecht bezahlt. Als Ui neu war am VAC konnte die Familie, die noch zwei weitere Kinder hat, die Gebühr für das VAC schultern. Doch auch der Baufirma geht es nicht gut, denn der Auftraggeber zahlt nicht. So hat auch Uis Vater seit Monaten kaum etwas von seinem Lohn gesehen. Sucht er einen neuen Job, hieße das mit ziemlicher Gewissheit, dass er seine Forderungen abschreiben kann.

Ui bei der Ernte

In dieser Situation entschied der AfA-Vorstand, auch für Ui einen Teil der Kosten zu übernehmen. Zunächst erhielt Ui 50% Zuschuss. Als die Einnahmen des Autismusvereins zurückgingen, nur noch 25%. Uis Eltern kamen in Verzug mit der Zahlung und zahlten schließlich gar nichts mehr. Auf mehr als 15 Millionen Kip belaufen sich inzwischen die Rückstände, etwa 1.600 Euro. Eine Vereinbarung wurde unterzeichnet, nach der Uis Eltern die monatliche Gebühr pünktlich entrichten wollten zuzüglich 500.000 Kip im Monat zur Tilgung der Schulden. Doch die Lage wurde nicht besser. Die Zahlungen blieben weiterhin aus. Der Vorstand beriet lange über die Situation und kam zu dem Schluss, dass wohl nicht mit Besserung zu rechnen ist. Schweren Herzens sollte den Eltern mitgeteilt werden, dass Ui nicht weiter zum VAC kommen kann.

In dem nun anberaumten Gespräch schilderte Uis Mutter ihre Lage. Sie verdient inzwischen den größten Teil des Familieneinkommens. Sie näht traditionelle Seidenkostüme in der Schneiderei einer Verwandten. Ui hilft manchmal zeigt sich sehr anstellig dabei. Die Inhaberin der Schneiderwertstatt kennt die Lage der Familie und nutzt sie weidlich aus. So sitzt Uis Mutter nicht nur an der Nähmaschine, sondern ist Mädchen für alles. Putzfrau, Kindermädchen, was eben gerade kommt. Sie würde das gern ändern, denn sie vertraut auf ihre Fähigkeiten als Schneiderin. Sie würden abends und an den Wochenenden zuverdienen, sich einen eigenen Kundenkreis aufbauen. Doch um sich selbständig zu machen, bräuchte sie eine Nähmaschine. Und dafür fehlt das Geld. Ein Teufelskreis.

Inzwischen hat der AfA-Vorstand entschieden, dass Ui am Zentrum bleiben kann. Der Zuschuss wird weiter gewährt. Mitglieder des Vorstands suchen nach einer Nähmaschine. Im September könnte Ui zur Sekundarschule kommen. Wenn alles gut läuft.

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